[Video] Diskussion: „CO2 und E-Energy“


Süchtig nach Energie: Immer mehr Energie, immer mehr Elektrizität wird benötigt. Solange global vor allem fossile Brennstoffe den Nachschub sichern, ist dies ein grosses Hindernis, den Klimawandel zu bremsen. Doch Möglichkeiten einer weniger CO2 emitierenden Energieversorgung bieten sich an oder werden neu entwickelt. Forscher arbeiten etwa an einem „Internet der Energie“ – die Schweiz könnte sich als Cleantech-Vorzeigeland positionieren. Was aber lässt sich machen, wenn sich am Ende Kohlendioxid-Emissionen doch nicht vermeiden lassen … ?
Macht es Sinn, wenn auf elektronischen Trading-Plattfomen Emissionsrechte gehandelt werden? Wie funktioniert es, wem nützt es und bringt es wirklich was für unsere Umwelt? Diesen Fragen und Themen widmen sich erfahrene Experten auf dem tweakfest Roundtable „Runter mit dem CO2 – Energiewirtschaft der Zukunft“.



Cyrill Studer, Klima- und Energie-Campaigner, Greenpeace

Die Herausforderungen im Klimaschutz sind gigantisch: bis in 40 Jahren muss die weltweite Revolution hin zu einer CO2-freien Energieversorgung weitgehend abgeschlossen sein, um die globale Temperaturerhöhung unterhalb der kritischen 2ºC-Marke zu begrenzen.

Neben einem genügsameren westlichen Lebensstil und Effizienzvorgaben muss das künftige Energiesystem aus neuen erneuerbaren Energien in Kombination mit ‚intelligenten Netzen’ bestehen.

Die heute angepriesenen Emissionsrechte-Lösungen überzeugen hingegen in den wenigsten Fällen, da damit selten eine tatsächliche CO2-Reduktion einhergeht, gleichzeitig aber dringend benötigte Schritte verhindert werden.

Cyrill Studer, Klima- und Energie-Campaigner, Greenpeace, geboren am 30.11.1972. Cyrill Studer absolvierte die Primarlehrerausbildung in Rickenbach SZ, während der er für eine Lokalzeitung schrieb. Anschliessend arbeite er als Sekretär der SP des Kanton SZ und mit Menschen mit einer Behinderung, bevor er 2001 bei Greenpeace als Klima- und Energie-Campaigner mit Schwerpunkt Verkehr einstieg. In dieser Funktion gleiste er in den vergangenen Jahren unter anderem mit Betroffenen juristische Klagen zugunsten gesunder und klimafreundlicher Luft auf. In all den Jahren beschäftigte er sich auch intensiv mit Gesamtenergiefragen und CO2-Emissionsrechten.

Max Zeckau, Marketing- & PR-Manager, South Pole, Zürich

Die Zürcher Firma South Pole entwickelt erstklassige Klimaschutzprojekte in der ganzen Welt und ermöglicht mit den generierten „Carbon Credits“ (Emissionszertifikate) die Neutralisierung unvermeidbarer Treibhausgas-Emissionen. Mit langjähriger Erfahrung in allen Aspekten des Klimahandels und einem Portfolio vom winzigen Wasserkraftwerk in Yunnan bis zum Geothermiekraftwerk auf Java bekämpft South Pole den Klimawandel seit 2006.

Mit über 75 Mitarbeitern in zehn Niederlassungen in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika ist das Unternehmen mit dem Pinguin im Logo so nah an seinen Projekten wie an seinen Kunden. Max Zeckau ist bei South Pole zuständig für Marketing und PR. www.southpolecarbon.com



Adrian Peter, Leiter Neue Technologien, BKW FMB Energie AG

Zusammen mit der Schweizerischen Post, IBM und der Gemeinde Ittigen hat die BKW den Verein „inergie“ gegründet. Die Mitglieder entwickeln zukunftsweisende Lösungen im Bereich der integrierten und nachhaltigen Energieerzeugung und –nutzung. Seit 2008 beschäftigen sich die BKW und IBM mit dem Thema Smart Grid und werden in Ittigen das erste Schweizer Pilotprojekt lancieren.

Im Projekt iSMART werden 200 Kunden mit modernsten Smart Grid Technologien ausgerüstet, welche es erlauben, ohne Komforteinbusse dann Energie zu verbrauchen, wenn sie im Überfluss vorhanden ist, und dann einzusparen, wenn sie knapp ist. Dadurch können die
Produktionsschwankungen ausgeglichen, neue erneuerbare Energien gezielter eingesetzt und die CO2-behaftete Spitzenstromproduktion auf das Nötigste reduziert werden.

Die BKW gehört zu den grössten Energieunternehmen der Schweiz. Sie ist tätig in Produktion, Handel, Übertragung, Verteilung und Vertrieb
elektrischer Energie. In den acht Kantonen Bern, Jura, Baselland, Solothurn, Obwalden, Freiburg, Neuenburg und Wallis versorgt sie über 1 Million Einwohner zuverlässig mit Strom und beschäftigt rund 2’600 Mitarbeiter.

Nach dem Grundstudium Maschinenbau hat Adrian Peter zur Abteilung Betriebs- und Produktionswissenschaften der ETH in Zürich gewechselt und 2001 mit dem Diplom abgeschlossen. Seine berufliche Karriere hat er bei Holcim begonnen. Zunächst war er im E-Commerce-Startup des Zementkonzerns für die Einführung eines elektronischen Einkaufsystems verantwortlich und hat nach zwei Jahren in den Bereich Strategie und Risk Management gewechselt. In dieser Position hat er in zahlreichen Strategieprojekten gearbeitet und war unter anderem für Konkurrenzanalysen und Businesspläne zuständig. 2007 wechselte er schliesslich zum Energiekonzern BKW, wo er als Leiter des Business Development drei Jahre lang die Strategie des Netzbereichs betreute. Seit dem 1. Januar 2010 ist er Leiter der Neuen Technologien und zuständig für alle neuen und aufkommenden Technologien wie zum Beispiel Smart Metering, Smart Grid und Fibre-to-the-Home. Er ist verheiratet und hat einen 5 jährigen Sohn und eine dreijährige Tochter.



Markus Sägesser, Leiter Grosskunden bei ewz und Leiter des Projektes „Stromzukunft Stadt Zürich“

Die Ausgangssituation stellt sich so dar: Strom ist als Energieträger sehr zentral für die Gesellschaft und die Wirtschaft (ohne Strom beispielsweise auch keine Kommunikation und keine EDV …). Strom macht allerdings weniger als 25% des gesamten Energiebedarfs in der CH aus. Weltweit betrachtet ist die Stromerzeugung jedoch gleichzusetzen mit CO2- Emissionen; lediglich in der Schweiz und ganz wenig anderen Ländern ist die Stromproduktion praktisch CO2-neutral, wie mit Wasserkraft. Die Infrastruktur für deren Nutzung ist in der CH grösstenteils gebaut. Rund 45% der heimischen Stromproduktion basiert auf thermischen Kraftwerken mit tiefem Primärenergiefaktor. Für die Zukunft heisst es aber auf alle Fälle: Der Stromverbrauch wird hoch bleiben.

Die Herausforderungen sind folgende: Kampf dem Klimawandel, bei einer langfristigen Versorgungssicherheit. Die CO2-neutrale Stromproduktion in der Schweiz muss erhalten bleiben, künftig sollten noch vermehrt die erneuerbaren Energien genutzt werden. Auch der Themenbereich Reinvestitionen und Erneuerungen sind ein wichtiger Fokus.

Markus Sägesser war Gesamtprojektleiter und Mitglied der Geschäftsleitung in einem Ingenieurbüro (KMU mit 50 Mitarbeitenden). Er verantwortete den Aufbau und die Führung der Abteilung Schule und Freizeit in der Gemeinde Freienbach.
Heute ist er der Vertriebsleiter Grosskunden bei ewz, Elektrizitätswerke der Stadt Zürich.



Moderation: Daniel Meierhans, Technologie- und Wissenschaftsjournalist
Dr. Daniel Meierhans ist Technologie- und Wissenschaftsjournalist und Mitinhaber der auf redaktionelle Dienstleistungen fokussierten inhalte.ch GmbH. Er veröffentlicht regelmässig journalistische Beiträge und Kolumnen in renommierten Publikums- und Fachmedien. Von 2003 bis 2006 war er Chefredaktor des IT-Fachmagazins InfoWeek und von 2000 bis 2003 Redaktor und stellvertretender Chefredaktor von Computerworld. Davor war er beim Biotech-Unternehmen Prionics in der Forschung tätig. Daniel Meierhans hat an der Universität Zürich Biochemie studiert und an der ETH Zürich doktoriert.
Weitere Infos unter: www.inhalte.ch

www.southpolecarbon.com